Mieter ignorieren und Falschaussagen an die Presse. Wie dreist darf Adler noch werden?

Mieter ignorieren und Falschaussagen an die Presse. Wie dreist darf Adler noch werden? +++ Mieterinitiative schlägt Alarm: Tagelang kein warmes Wasser +++ Unangekündigte Ausfälle häufen sich seit einem Jahr +++ Adler-Immobilien nicht erreichbar +++ Mieter*innen werden nicht informiert +++ Gesundheitsrisiko für Kinder, Familien und Senior*innen wegen erhöhter Legioniellengefahr +++
Die Mieterinitiative Nahariya-Kiez (MiNa) und das Kiezteam Tempelhof-Schöneberg von Deutsche Wohnen Enteignen kritisieren die Zustände in den Wohnungen der Adler-Group in Berlin-Lichtenrade: Seit über einem Jahr gibt es wiederholt unangekündigte, mehrtägige Warmwasserausfälle in der Siedlung. Zuletzt war vom 3. bis 7. Juli die gesamte Siedlung mit 800 Wohneinheiten betroffen.
Mieter*innen berichten zudem von wochenlangen, unangekündigten Drosselungen des Warmwassers ab 22h. Selbst nach einem siedlungsweiten Legionellenbefall gab es im Juni und Juli tagelange Warmwasserausfälle. (Berliner Zeitung, RBB 88 und ND berichteten.) Wassertemperaturen über 55 °C sind eines der wirksamsten Mittel, um das Überschreiten von gesundheitsgefährdenden Legionellengrenzwerten zu verhindern. “Dass uns trotz des Legioniellenbefalls regelmäßig das Warmwasser gedrosselt wird, ist verantwortungslos und ein Skandal. Wir sind besorgt, frustriert und wissen nicht mehr weiter. Adler ist kaum zu erreichen, Anrufe gehen ins Leere, Briefe sind unzustellbar und wir erhalten keine Informationen, selbst wenn dutzende Haushalte nachfragen” sagt Andrea V. aus der Mieter*innen-Initiative.
Eine Aussage des Eigentümers erfolgte erst auf Nachfrage des rbb: „Es besteht auch kein systematisches wiederkehrendes Problem mit der Warmwasserversorgung in der Siedlung.“
“Das ist schlichtweg falsch. Hunderte Mietende berichten das gleiche, die Listen über die Ausfälle werden monatlich länger. Es zeigt, dass ADLER die vielen Mängelmeldungen seiner Mieter*innen über Monate ignoriert hat oder versucht, die Glaubwürdigkeit der Mieter*innen in der Presse gezielt zu untergraben,” so Wolfgang M. aus der Initiative.
ADLER fügt hinzu: „Grundsätzlich erreichen unsere Mieterinnen und Mieter uns über die gängigen Kontaktwege.“ Diese Erreichbarkeit besteht laut den Mieter*innen aus unbeantworteten Mails mit Mängelmeldungen, vergeblichen Telefonanrufen und einem Mieterportal, auf dem die Registrierung verhindert wird. Die Adler Group teilte dem rbb mit, dass eine neue App die Mieter*innen über Störungen informieren soll. Viele Senior*innen der Siedlung haben kein Smartphone und die Kommunikation mit ihrem Vermieter wird durch die App nur erschwert. Die Antwort an die Presse enthielt weder eine Lösung für die rechtswidrige Vernachlässigung der Vermieterpflichten, noch für die fehlenden Ansprechpersonen.
„Ein weiteres Medium, in dem meine Anliegen unbeantwortet und meine Mängelmeldungen unbeachtet bleiben, hat nichts mit Erreichbarkeit zu tun. Ich möchte eine funktionsfähige Wohnung, ein sicheres Zuhause,“ fordert Andrea V. aus der Mieter*inneninitative Nahariyakiez.
Die Initiative kritisiert mit dem Kiezteam Tempelhof-Schöneberg und der Stadtteilgewerkschaft Lichtenrade Solidarisch die Rechtsverletzungen der Bewohner*innen scharf und kündigt an, die Falschaussagen und den mangelhaften Zustand der Siedlung nicht weiter zu akzeptieren. “Wir werden Adler und die Politik in die Pflicht nehmen, unsere Siedlung und unser Zuhause instand zu setzen und für Zuverlässigkeit und Erreichbarkeit zu sorgen. Ob durch Protest, oder mit juristischen Mitteln,” so Andrea V.
Informationen zum Legioniellen-Befall in der Nahariya-Siedlung: https://lichtenrade-solidarisch.de/legionellenbefall-in-adler-haeusern/
Ganze Antwort von Adler auf die Anfrage des rbb:
“Zunächst bedauern wir den Ausfall des Warmwassers in der Nahariya-Siedlung sehr – wir können Ihnen aber mitteilen, dass die Warmwasserversorgung bereits seit diesem Montag (6.Juli) wieder reibungslos funktioniert. Die Störung war insgesamt von Freitag bis Montag. Auslöser für die Unterbrechung der Warmwasserversorgung war eine kurzzeitige Störung im Stromnetz, wodurch u.a. die Netzpumpe für das Warmwasser ausfiel. Das Problem konnte aber schnell von einer Fachfirma behoben werden und es besteht auch kein systematisches wiederkehrendes Problem mit der Warmwasserversorgung in der Siedlung. Die Siedlung wird zentral vom Wärmedienstleister BTB und seinem zugehörigen Heizkraftwerk versorgt. Die Erzeugung und Einspeisung von Wärme und Warmwasser liegen damit im Verantwortungsbereich von BTB.
Grundsätzlich erreichen unsere Mieterinnen und Mieter uns über die gängigen Kontaktwege. Darüber hinaus führen wir derzeit ein neues Mieterserviceportal mit einer eigenen Melde- und Informations-App ein. Über diese App werden Mieterinnen und Mieter künftig unmittelbar und umfassend über Störungen – etwa bei der Warmwasserversorgung – informiert.”