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Initivative widerspricht PwC Lobby-Studie

Ein Mikrofon-Symbol

„Lobby-Gutachten der Immobilienkonzerne” +++ Initiative weist PwC-Studie zurück +++ „Vergesellschaftung ist gut für alle Mieter*innen”

Die Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen weist die gestern bekannt gewordene Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC zur geplanten Vergesellschaftung großer Wohnkonzerne entschieden zurück. Die Studie bewerte die Vergesellschaftung einseitig aus Sicht der Immobilienkonzerne und lasse die Perspektive von Mieter*innen außen vor.

„Wer behauptet, es gäbe bei der Vergesellschaftung nach Artikel 15 des Grundgesetzes nur Verlierer, schreibt offensichtlich ein Lobby-Gutachten im Sinne der Immobilienkonzerne. Berliner*innen wissen längst: Durch die Vergesellschaftung von über 220.000 Wohnungen gewinnen alle, die dringend ein sicheres und bezahlbares Zuhause suchen, die ohne Angst vor Mietsteigerungen, Mängeln und Verdrängung leben wollen. Die Vergesellschaftung ist gut für alle, die zur Miete wohnen”, so Armin Rothemann, Sprecher der Initiative.

PwC sieht durch die Vergesellschaftung Risiken bei Banken, weil deren Kreditsicherheiten (Grundpfandrechte) an den vergesellschafteten Wohnungen erlöschen würden. Dem hält Armin Rothemann entgegen:
„Dass Menschen sich Sorgen um stabile Banken machen, ist verständlich, gerade nach den Erfahrungen der letzten Finanzkrisen, bei denen Banken mit Steuergeldern gerettet werden mussten. Genau deshalb lohnt der nüchterne Blick ins Gesetz. Und der zeigt: Die Banken bekommen ihr Geld. Sie verlieren ihre Sicherheiten nicht ersatzlos. Denn Vonovia und Co erhalten bei der Vergesellschaftung eine Entschädigung von 40 bis 60 Prozent des Marktwerts ihrer Immobilien, und daraus werden zuerst die Banken bezahlt. Das reicht in aller Regel, denn Banken leihen Geld für eine Immobilie ohnehin nie in Höhe ihres vollen Werts, sondern immer mit einem Risikoabschlag. Ihr Recht auf Sicherheit verschwindet nicht, sondern wird in einen Anspruch auf die Entschädigung umgewandelt, der über ein gerichtliches Verfahren ausgezahlt wird, selbst dann, wenn der Konzern pleite geht. Das ist kein Neuland: Genau so läuft es seit Jahrzehnten bei ganz normalen Enteignungen nach dem Baugesetzbuch, etwa für Straßen oder Schienen. Ein bekanntes, bewährtes Verfahren. Die Angst vor einer herbeigeredeten Bankenkrise nutzt nur den profitgetriebenen Wohnungskonzernen. Sie schüren Angst, um wohnungspolitischen Stillstand zu erreichen, damit sie weiter unbehelligt die Mieten der Berliner*innen erhöhen können.”

Armin Rothemann erklärt weiter: „Richtig ist: Wir wollen mit der Vergesellschaftung das Geschäftsmodell der Konzerne in Frage stellen. Denn es basiert darauf, den Preis für Wohnen durch Spekulation immer weiter nach oben zu treiben. Und damit treiben sie uns Berliner*innen in Armut und Elend. Zudem gilt: Die Banken sind keine unbeteiligten Opfer. Mit ihren Krediten und ihren Renditeerwartungen haben sie die Spekulation am Berliner Wohnungs- und Bodenmarkt jahrelang kräftig mitbefeuert – und prächtig daran verdient.”

Auch der Behauptung, durch Vergesellschaftung würde weniger bezahlbarer Wohnraum gebaut, widerspricht die Initiative: „Sozialer Wohnungsbau kommt in Berlin quasi nur von Genossenschaften und den landeseigenen Wohnungsunternehmen. Das größte Hemmnis für bezahlbaren Wohnungsneubau sind die rasant angestiegenen Bodenpreise in Berlin. Der Grund dafür ist Spekulation. Wer, wie PwC, diesen Status quo verteidigt, dem geht es nicht um sozialen Wohnungsbau, sondern lediglich darum, die Interessen von Vonovia, Adler und anderen Großkonzernen zu schützen”, so Armin Rothemann.

Zudem weist die Initiative die Behauptung zurück, Vergesellschaftung würde die Wohnqualität mindern: „Es ist absurd, dass PwC vor ausbleibender Instandhaltung in vergesellschafteten Wohnungsbeständen warnt, während Vonovia und Co unsere Wohnungen schon heute verschimmeln lassen. Eine Studie zu Refinanzierungsoptionen in vergesellschafteten Wohnungsbeständen hat jüngst gezeigt, dass eine gute Instandhaltung auch bei dauerhaft günstigen Mieten möglich ist – wenn wir mit unserer Miete endlich nicht mehr die Rendite der Aktionär*innen finanzieren müssen.” stellt Armin Rothemann klar.

PricewaterhouseCoopers International (PwC) ist eine der vier umsatzstärksten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt (“Big Four”). Die Kunden sind Großkonzerne wie Ebay, Exxon/Mobil und ThyssenKrupp; zu den Dienstleistungen gehört auch das Erstellen von Steuervermeidungsstrategien, die durch die “Luxemburg Leaks” teilweise an die Öffentlichkeit kamen.

In einer 2021 veröffentlichten Studie kritisierte PwC den Berliner Mietendeckel, da dieser zu sinkenden Renditen für Vermieter führe. In derselben Studie wird Lissabon als Positivbeispiel eines der “beliebtesten Märkte Europas” gelobt. In Lissabon sind die Mieten zwischen 2015 und 2025 um 94 Prozent gestiegen und es herrscht extreme Wohnungsnot.

Quellen:

  1. https://www.berlin.de/sen/stadt/presse/pressemeldungen/pressemitteilung.1630189.php
  2. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/luxemburg-leaks-steuertrickser-vom-dienst-1.2208497
  3. https://www.pwc.de/de/real-estate/pwc-studie-mietendeckel-und-co-2.pdf
  4. https://borgenproject.org/portuguese-housing-crisis/